Ich bin immer wieder überrascht was sich für Kostbarkeiten in unserer Region rund um die Colbitz-Letzlinger Heide verbergen. Oder habt ihr gewußt, dass es nirgendwo in Mitteleuropa eine dichtere Konzentration von Großsteingräbern (auch Hünengräber) gibt als in den Wäldern um Haldensleben? Also rein ins Auto und der Sache auf den Grund gegangen.
Bis nach Haldensleben ist es von uns aus nicht weit. Wir sind schnell am besagten Waldgebiet angekommen in dem man heute noch 84 erhaltende Großsteingräber finden kann. Weitere 44 zerstörte Anlagen sind da noch nachweißbar (waren wohl fleißige Bauleute damals…
). Im Haldensleber-Forst lohnt sich der Besuch von 3 sehr gut erhaltene Hünengräbern. Das sind die Küchentannen, das Kaisergrab und die Teufelsküche.
Einfach nur Hünengräber anschauen reicht nicht
. Ein bisschen Hintergründe sollten auch sein. Deshalb hab ich mal einige Fakten zusammengetragen.
Aufbau von Hünengräber
Die Menschen ihn frühen Zeiten haben sich sicher gefragt wer solche Bauwerke aufgeschichtet hat. Die einfachste Erklärung war, dass das natürlich nur Riesen getan haben konnten. Daher auch der Begriff Hünengrab. Hüne kommt aus dem Niederdeutschen und bedeutet soviel wie Riese. Wenn man bedenkt wie so eine intakte Anlage ausgesehen haben muss, kann man sie wirklich für das Grab eines Riesen halten. Dazu aber gleich mehr. Und wenn die Steine nicht von Riesen aufgeschichtet wurden, kann es sich hier doch nur um Teufelswerk handeln). Deshalb waren sie den Menschen des Mittelalters nicht so ganz geheuer. Die Megalith-Anlagen wurden bewusst zerstört und als Baumaterial verwendet. Viele Kirchen in unserer Region stehen auf Fundamenten aus den Steinen von Hünengräbern.
Aber nun zum Aufbau. Die bei uns am häufigsten anzutreffende Form ist das Ganggrab das von einem Hünenbett umgeben ist. Die Hünengräber sind in einer Ost-West-Ausrichtung erbaut worden. In Richtung Süden befindet sich der Zugang zur Anlage (wir haben das überprüft… ).
Das Gang-Grab besteht aus einem Gang der aus aufrecht stehenden großen Steinen gestellt wurde. Dieser Gang wurde dann mit Steinplatten abgedeckt. Das Hünen-Bett ist eine Einfassung des Gang-Grabes. Auch dies besteht aus großen, aufrecht stehenden Steinen.
Der Gang wurde zum Abschluss mit Erde bedeckt. So entstand ein Erdhügel der an ein Grab erinnern könnte.
Wenn ihr unsere Hünengräber besucht, werdet ihr die Bauform sicher wiedererkennen.
So, für unsere Zwecke genug Theoretisches. Wer von euch mehr zu diesem Thema wissen möchte dem lege ich die folgenden Seiten ans Herz:
Die Küchentannen
Bei den Küchentannen handelt es sich um ein rekonstruiertes Hünengrab. In den 1950er und 60er Jahren hat man das Forstgebiet zwischen Haldensleben, Süpplingen und Bebertal genauer untersucht. In diesem Zuge wurde diese Anlage durch Mitarbeiter der Martin-Luther-Universität Halle freigelegt und rekonstruiert. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Ihr könnt dort sogar das Ganggrab betreten (oder besser bekriechen). Sehr gut könnt ihr dabei den Aufbau der Hünengräber erkennen.
Das Ganggrab besteht bei den Küchentannen aus aufrecht stehenden Trägersteinen die von einer Grabplatte aus 7 großen Findlingen bedeckt sind. Wenn man in Ganggrab ist, möchte man gar nicht darüber nachdenken wie viele Tonnen einem da auf den Kopf fallen könnten. Aus dieser Position heraus ist es noch beeindruckender was unsere Vorfahren da vor 5000 Jahren mit reicht einfachen Hilfsmitteln auf die Beine (oder besser Steine) gestellt haben.
Und eine Frage die sich mir bei solchen Bauwerken immer wieder stellt:
“Warum haben die das gemacht…?”.
Zu dieser Anlage gibt es eine entsprechende Beschilderung. Die ist noch aus einer Zeit als man noch vom Rat des Kreises sprach und die Hochschulen noch in Sektionen unterteilt waren. Damals kannte man wohl seine “Pappenheimer”. Einfach entsprechend große Buchstaben auf verwitterungsbeständiger Plastik und das Ganze in 3m Höhe angebracht und so hat sie die Jahrzehnte überlebt.
Die Teufelsküche
Die Teufelsküche ist ein sagenumwobenes Hünengrab. Anders als die Küchentannen ist die Teufelsküche nicht rekonstruiert worden. Das macht sie aber, wohl auch wegen ihrer riesigen Decksteine, nicht weniger beeindruckend. Ihr findet sie in der Nähe von Klausort (war mal so etwas wie ein Vorwerk). Klausort ist eine Schrebergarten-Siedlung vor den Toren von Haldensleben.
Erhalten sind von der Teufelsküche noch 8 Tragsteine und 2 Decksteine. Ursprünglich sollen es mal 9 Tragsteine und 4 Decksteine gewesen sein. Ob das so war…? Wer weiß…? Jedenfalls ist das Ganggrab erheblich kürzer als bei den Küchentannen aber ein ganzes Stück breiter.
So, zum Abschluss noch der Link zur Karte. Ihr müsst euch ja auch hinfinden. Bei Fragen, Anregungen oder wenn es was zum Meckern gibt benutzt einfach den Kommentarbereich unter dem Artikel nutzen.
Megalithanlagen Haldensleben auf einer Karte anzeigen.







Noch keine Kommentare.